Hessischer Krankenhaustag 2016

Es geht ein Ruck durch die deutsche Krankenhauslandschaft. Dies wurde auf dem diesjährigen Hessischen Krankenhaustag deutlich. In Hanau waren über 200 Entscheider aus der Gesundheitswirtschaft zusammengekommen, um die Auswirkungen des Krankenhausstrukturgesetzes zu diskutieren. „Die Reform ist vom Menschen her gedacht und steht für mehr Qualität in den Kliniken. Die Patientensicherheit wird nunmehr endlich groß geschrieben“, betonte Hessens Gesundheitsminister Stefan Grüttner in seiner Rede. „Auch die hessischen Patienten profitieren unmittelbar von den neuen Regelungen“, so Grüttner weiter.

(v.l.n.r.) Rainer Greunke, Geschäftsführender Direktor der Hessischen Krankenhausgesellschaft, Stefan Grüttner, Hessischer Minister für Soziales und Integration, Prof. Dr. Dr. Reinhard Wabnitz, Präsident der Hessischen Krankenhausgesellschaft, Prof. Dr. Wolfgang Kuhla, Rechtsanwalt und Notar, Dr. med. Wilm Quentin, Wissenschaftlicher Mitarbeiter TU Berlin

(v.l.n.r.) Rainer Greunke, Geschäftsführender Direktor der Hessischen Krankenhausgesellschaft, Stefan Grüttner, Hessischer Minister für Soziales und Integration, Prof. Dr. Dr. Reinhard Wabnitz, Präsident der Hessischen Krankenhausgesellschaft, Prof. Dr. Wolfgang Kuhla, Rechtsanwalt und Notar, Dr. med. Wilm Quentin, Wissenschaftlicher Mitarbeiter TU Berlin

Am Vormittag hatte der Präsident der Hessischen Krankenhausgesellschaft, Prof. Dr. Dr. Reinhard Wabnitz, den Krankenhaustag eröffnet. In seiner Rede erinnerte er an die vergangenen Reformen wie die Einführung des DRG-Systems, das für einen Paradigmenwechsel im deutschen Gesundheitssystem gesorgt hat. „Das Krankenhausstrukturgesetz ist die bislang bedeutendste Krankenhausreform im noch jungen 21. Jahrhundert“, so Wabnitz. Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Thomas Reumann, zog im Anschluss eine Zwischenbilanz der bisherigen Auswirkungen der Reform. Positiv hervor hob er den Pflegezuschlag, die Tarifausgleichsrate und die Förderprogramme für Pflegestellen und Hygiene. „Insgesamt sind die Rahmenbedingungen für die laufenden Kosten der Krankenhäuser deutlich verbessert worden. Mit der völlig unzureichenden Investitionskostenfinanzierung durch einige Länder bleibt ein ganz zentrales Problem ungelöst. Hessen ist hier ein gutes Bespiel, wie es besser geht“, so der DKG-Präsident.

Mit Sorge betrachten die Krankenhausvertreter derzeit die Entwicklung der planungsrelevanten Qualitätsindikatoren. Diese sollen künftig den Ländern ermöglichen, einer Klinik den Versorgungsauftrag zu entziehen, sollte diese wiederholt auffällige Qualitätsergebnisse erzielen. „Die hessischen Krankenhäuser stehen für Leistungsfähigkeit und Qualität ihrer Versorgungsangebote. Transparenz ist für uns unerlässlich. Wichtig ist aber, dass diese Qualitätsindikatoren valide und nachvollziehbar sind – und dass den Krankenhäusern die erforderlichen finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt werden “, betonten Prof. Wabnitz und der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft unisono.

Das Thema Qualität und Vergütung wurde am Nachtmittag eingehender von Prof. Dr. Wolfang Kuhla von der Kanzlei Raue LLP beleuchtet. Der Jurist stellte in seinem Vortrag dar, in welchen Fällen der Verstoß gegen Qualitätsvorgaben einen Einfluss auf den Vergütungsanspruch des Krankenhauses haben könnte und welche Möglichkeiten das Krankenhaus habe, darauf zu reagieren.

Neben der Qualität stand noch das Thema Notfallversorgung im Fokus. Schließlich soll diese auf der Grundlage des Krankenhausstrukturgesetzes neu geordnet werden. Dass Handlungsbedarf besteht, hatte Prof. Wabnitz am Vormittag deutlich gemacht. Hessenweit sei die Zahl der ambulanten Notfallpatienten in den letzten zwei Jahren um 8,5 Prozent angestiegen. Scheinbar seien die Angebote der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen noch zu wenigen Bürgern bekannt. Die HKG sei an einer tragfähigen Lösung des Problems gelegen, die dringend geboten sei. Die Politik forderte er auf, eine adäquate Vergütung in der ambulanten Notfallversorgung sicherzustellen.

Einen Einblick in die Notfallversorgung anderer Länder gab Dr. Wilm Quentin von der TU Berlin. Im Rahmen seiner Forschungsarbeit hatte er die Notfallsysteme in England, den Niederlanden, in Dänemark und Australien untersucht. In Down Under hat sich beispielsweise ein gestuftes Notfallsystem etabliert. Ähnliches wird in Deutschland derzeit auch diskutiert.

Wie bereits in den Vorjahren fand parallel zum Hessischen Krankenhaustag die Regionaltagung der Fachvereinigung Krankenhaustechnik e.V. (FKT) statt. Dabei drehte sich alles um die Personalrekrutierung. Denn auch in der Krankenhaustechnik droht ähnlich wie in anderen Bereichen ein Fachkräftemangel. „Als Berufsverband setzt die FKT alles daran, mit adäquaten Maßnahmen auf den Fachkräftemangel in der Technik zu reagieren und Lösungen aufzuzeigen. Der Technische Betrieb eines Krankenhauses ist eine der spannendsten, herausforderndsten und sinnvollsten Aufgaben, denen man sich beruflich widmen kann. Das sollte nach Möglichkeit jeder Schulabgänger erfahren“, so Jens Relke, Regionalleiter der FKT Hessen.

Der Hessische Krankenhaustag ist die jährliche Verbandsveranstaltung der Hessischen Krankenhausgesellschaft. Er versteht sich als Forum für den Dialog zwischen den Krankenhäusern, der Politik und den Partnern im Gesundheitswesen. Der Hessische Krankenhaustag feierte dieses Jahr 20-jähriges Jubiläum.

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